Chronik

Das Musikwesen hat im Rhönstädtchen Tann schon eine jahrhundertealte Tradition, da sowohl die Kirchen- als auch die weltliche Musik bereits schon im Mittelalter ihren Platz im Alltagsleben der Rhönstädter hatte! Bereits nach dem 30-jährigen Krieg hatten die damaligen Herren von der Tann eine “Musikordnung” erlassen, die damals der Belebung der Kirchenmusik dienen sollte. Und Wandermusikanten aus dem Ulstertal verdienten schon vor über 100 Jahren mit der Musik ihren kargen Lebensunterhalt.

Im Jahre 1902 wurde erstmals ein “Musikverein Tann an der Rhön” gegründet, der durch die Wirren des 2. Weltkrieges vorübergehend wieder in der Versenkung verschwand. Doch schon im Jahre 1949 fanden sich wieder junge Bürger Tanns und der Umgebung zusammen, um gemeinsam zu musizieren. In der Folgezeit konnten in Tann und in den umliegenden Nachbardörfern mehrere Musikkapellen registriert werden.

Anfang der 70-er Jahre schlossen sich die bis dahin relativ wenig bekannten Musikkapellen aus Tann, Lahrbach und Günthers zu einem gemeinsamen Musikverein Tann (Rhön) zusammen, der bis heute noch seinen Platz im kulturellen Leben der Rhönstadt Tann hat!

Im Jahre 1964 fand in Tann (Rhön) der Verbandstag des Kreisfeuerwehrverbandes Fulda statt, in dessen Verlauf einige Feuerwehrmusikkapellen und -Spielmannszüge aufspielten. Durch diese Musikgruppen angeregt, fanden sich in der Folgezeit einige junge Leute in Tann zusammen, die einen sog. “heraldischen Fanfarenzug” gründeten. Dessen Instrumentarium bestand aus ventillosen Fanfaren-Trompeten und Landsknechtstrommeln. Um eine Heimat innerhalb eines Vereines zu finden, schloß man sich später der Freiwilligen Feuerwehr Tann (Rhön) an.

Zur Abdeckung einer größeren musikalischen Bandbreite wurden kurz darauf dem Klangkörper Spielmannsflöten, Lyra, Große Trommel und Marschtrommeln sowie Marschbecken hinzugefügt - “Der Fanfaren- und Spielmannszug Tann (Rhön)” war geboren. Dessen v. g. Instrumentarium wurde im Lauf der folgenden Jahre noch mit Parforce-Waldhörnern, Baritonfanfaren und Sousaphon sowie mit Alt- und Diskantflöten erweitert.

In dieser sog. “Großen Es-Besetzung” war man nun in der Lage, wohlklingende Spielleute-Musik zu spielen, deren Ursprung überwiegend im benachbarten Holland lag, wo man zwischenzeitlich zu anderen Musikvereinen und Komponisten sowie Arrangeuren Verbindungen geknüpft hatte!Unter dem Namen “Fanfaren- und Spielmannszug der FFw Tann (Rhön)” erarbeiteten sich die Spielleute aus dem Rhönstädtchen Tann mit ihrer schwungvollen Musik sowie ihrem exakten und disziplinierten Auftreten landauf und landab einen guten Namen. Die Spielleute aus dem Ulstertal waren bei vielen Festveranstaltungen und Festumzügen gerne gesehene Gäste und zahlreiche andere Musikgruppen versuchten den Tannern nachzueifern!

Seit 1972 stellte man sich ausserdem bei nationalen und internationalen Musikwettbewerben der Fachjury zur Kritik. Auch hier machten die Musikanten aus der Rhön “eine gute Figur”: Eine Vielzahl von 1. Preisen, Gold- und Silbermedaillen zeugt von der erfolgreichen musikalischen Präsentationen des “ Fanfaren- und Spielmannszuges Tann (Rhön)”!. Höhepunkte dieser Erfolge war die Erringung des “Deutschland-Pokales” in 1980, 1984 und 1991 in der Klasse der “Gemischten Züge” sowie der Titel “Deutscher Vizemeister” in 1978.

Auch auf der internationalen Bühne - und hier insbesondere im benachbarten Holland - waren die Tanner erfolgreiche und gern gesehene Gäste und konnten sich dabei durchaus mit der europäischen Laienmusikszene messen. Auch hier zeugen zahlreiche 1. Plätze und Goldmedaillen von den Erfolgen!

Nachdem in der Kategorie “Gemischte Klasse” so ziemlich alles erreicht war, was es zu erreichen gab sowie die Suche nach geeigneter Musikliteratur für diese ungewöhnliche Besetzung immer schwieriger wurde, stellte man sich nach 30 Jahren “Fanfaren- und Spielmannszug” im Herbst 1994 einer neuen Herausforderung: Die bislang ventillosen Blechblasinstrumente wurden gegen ein vollkommen neues Instrumentarium - dieses Mal allerdings mit Ventilen - ausgetauscht. Parforce-Hörner, Baritonfanfaren und Fanfarentrompeten wurden durch Trompeten, Flügelhörner, Posaunen, Tenor-, Bariton- und Althörner ersetzt. Auch die klappenlosen Spielmannsflöten mußten Konzertflöten weichen.

Aus dem “Fanfaren- und Spielmannszug” wurde das “MusikCorps Tann (Rhön) e.V.”!

Mit der neuen Besetzung stehen den derzeit 45 jungen Musikerinnen und Musikern des “MusikCorps Tann (Rhön)” sämtliche musikalischen Möglichkeiten offen - je nach ihrem Leistungsvermögen.

Das Repertoire des “MusikCorps Tann (Rhön)” umfasst derzeit neben schwungvoller Marschmusik auch Titel aus der modernen internationalen Popmusik sowie diverse Konzertstücke und Evergreens aus der Weltliteratur - genau der richtige “Musikmix” für die überwiegend jugendlichen Mitglieder!

Und auch in der neuen Besetzung wird das “MusikCorps Tann (Rhön)” neben der Beteiligung an Musikwettstreiten großen Wert auf die Präsentation in der Marschformation legen!

Um den gesteckten Zielen gerecht zu werden, musste natürlich auch die Übungsarbeit erweitert werden! Wurde vorher einmal in der Woche geübt, so trifft man sich seit 1994 an zwei Tagen in der Woche, um gemeinsam seinen schönen Hobby zu frönen. Diesem Hobby gehen innerhalb des MusikCorps derzeit 67 aktive Mitglieder nach. Davon sind 21 Mitglieder unter 14 Jahren, 5 zwischen 15 und 18 Jahren und 30 unter 25 Jahren - es ist also eine junge Truppe!

Ein besonderer Schwerpunkt liegt naturgemäß in der Ausbildung der Musikanten - 98 % der Aktiven sind aus der eigenen “Schule” hervorgegangen; zur Zeit befinden sich 25 Kinder in Ausbildung. Interessierte Kinder beginnen mit der Ausbildung im Alter von 8 - 10 Jahren. Je nach Begabung und natürlich Übungseifer werden sie nach ca. 2 Jahren allmählich in das “große Orchester” integriert. Das Erlernen eines Intrumentes ist (fast) kostenfrei (nur 5 Euro/Monat) - aber die Instrumente werden weitestgehend vom Verein gestellt.

Neben der Ausbildung durch vereinsinterne Kräfte haben die jungen Musikerinnen und Musiker Gelegenheit, sich im Rahmen von Fortbildungslehrgängen des Hess. Feuerwehrverbandes bzw. des Hess. Musikverbandes auf Kosten des Vereines weiterzubilden - wer möchte bis hin zum Dirigenten!

Lohn für das Engagieren in der musikalischen Gemeinschaft sind u. a. von Zeit zu Zeit interessante Fahrten innerhalb Deutschlands und immer wieder auch Auslandsreisen ! So war das “MusikCorps Tann (Rhön)” zuletzt im Juni 2005 in Beauvais und im März 2006 nach Chagny (Frankreich) eingeladen. Im März 1998 nahm man an einem großen internationalen Musikfestival in “Castellon de la Plana” an der spanischen “costa de la azahar” teil. Im April 2001 in Giulianova, Italien, durfte man, dank dem guten Kontakt zu der Drum- and Pipe- Band “Targe of Gordon” Fulda, zum ersten Mal zusammen mit einer echten schottischen Pipeband (siehe Galerie) musizieren.

Das Vereinsgeschehen besteht jedoch nicht nur aus dem gemeinsamen Musizieren - vielmehr werden auch andere Möglichkeiten der gemeinsamen Freizeitgestaltung angeboten. So stehen z. B. Kegelnachmittage, Zeltlager, Fußballspiele, Familientage, Ausflugsfahren, Weihnachtsfeiern für Alt und Jung sowie vereinsinterne Karnevalsveranstaltungen auf dem Jahresprogramm ! Das MusikCorps Tann (Rhön) kann für sich in Anspruch nehmen, den interessierten Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen ein umfangreiches Angebot für eine sinnvolle und abwechslungsreiche Freizeitgestaltung zu machen und damit eine hervorragende Jugendarbeit zu leisten!